Fett - Sündenbock oder Lebensbaustein?
Vom Schreckgespenst zum Lebenselixier: Die wahre Rolle der Fette in unserer Ernährung
by Noemi Koch-Cadosi
Drogistin, Ernährungsfachfrau
Über Jahrzehnte hatte Fett einen schlechten Ruf. „Fett macht fett“, hiess es überall. Wer gesund leben wollte, griff zu Light-Produkten, mied Butter und zählte jedes Gramm Fett. Gerade Menschen mit einer Krebserkrankung hören oft besonders viele Ernährungsregeln und sind dadurch zusätzlich verunsichert. Heute weiss man:
Das Bild vom gefährlichen Fett war zu einfach.
Unser Körper braucht Fette dringender, als lange behauptet wurde.

Fett – der Bösewicht?
In den 1970er-Jahren setzte sich die Idee durch, dass Fett und Cholesterin unter anderem Hauptverursacher von Herzkrankheiten seien. Daraus entstand die grosse Low-Fat-Welle. Lebensmittel wurden entfettet, dafür mit Zucker und Zusatzstoffen aufgefüllt. Diese einfachen Botschaften waren leicht verständlich und wurden rigoros umgesetzt.
Es wurde nicht zwischen verschiedenen Fettarten unterschieden. Natürliche Lebensmittel landeten im selben Topf wie stark verarbeitete Industrieprodukte.
So entstand ein Mythos, der sich bis heute hält:
Wer gesund werden oder bleiben will, muss Fett meiden.
Funktioniert unser Körper so einfach?
Was Fett für uns leistet
Fette sind zwar Kalorienpakete aber auch Bau- und Schutzstoffe. Jede einzelne Körperzelle ist von einer fetthaltigen Hülle umgeben. Unser Gehirn besteht zu einem grossen Teil aus Fett. Ohne hochwertige Fettsäuren können wir nicht denken, fühlen und uns erinnern. Fett ermöglicht die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, schützt Organe als Polster und hält uns warm. Viele Hormone, etwa die Sexual- und Stresshormone, entstehen aus Fett.
Gerade in belastenden Lebensphasen, wie während oder nach einer Krebsbehandlung, braucht der Körper verlässliche Energie und gute Nährstoffe. Ein Verzicht auf Fett und/oder Ölen kann sich nachteilig auswirken, wie z.B. zu schnellen oder starken Gewichtsverlust.
Nicht jedes Fett ist gleich
Entscheidend ist die Qualität von Fett.
Wertvoll sind vor allem:
- Omega-3-Fettsäuren. Sie bestehen aus fettreichem Meeresfisch und wirken zum einen entzündungshemmend und unterstützen Herz und Gehirn.
- Einfach ungesättigte Fette aus Olivenöl, Nüssen oder Avocado. Sie sind wichtig und gut für die Stoffwechselarbeit im Körper.
- Auch natürliche tierische Fette wie Butter dienen der Gesundheit und werden leicht verdaut.
Problematisch sind stark verarbeitete und industriell hergestellte Produkte.
Es lohnt sich also, nicht die Menge, sondern die Herkunft des Fetts anzuschauen.
Fett und Gewicht
3 Fakten:
- Mit fettarmen Diäten oder Low-Fat-Produkten bleibt der Heisshunger bestehen.
- Wer hochwertige Fette isst, hält den Blutzucker stabiler.
- Fett sättigt deutlich besser als Zucker oder Weissmehl.
Gerade das kann beim Gewichtsmanagement hilfreicher sein als jedes Light-Produkt.
Ein Blick auf Krebs und Ernährung
Bei Krebsbetroffenen braucht der Körper Energie, um Heilung, Regeneration und Immunabwehr zu unterstützen. Gute Fette liefern diese Energie sanft, ohne den Blutzucker zu überfordern. Omega-3-Fettsäuren werden zudem mit entzündungsdämpfenden Effekten in Verbindung gebracht – ein Aspekt, der in der Genesung bedeutsam sein kann.
Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln muss aber auf die Dosierung geachtet werden.
Eine Ernährung, die natürliche Fette einschliesst, kann Lebensqualität, Appetit und Kraft positiv beeinflussen.
Mut zu einem neuen Verhältnis
Vielleicht dürfen wir Fett wieder als das sehen, was es eigentlich ist: essenziell für unseren Körper. Statt Angst vor jedem Tropfen Öl lohnt sich ein bewusster Umgang damit. Ein Salat mit Olivenöl, ein Stück Lachs, ein paar Nüsse - das sind keine Sünden, sondern kleine Bausteine für das Wohlbefinden.
Essen ist mehr als Nährstoffzufuhr.
Es bedeutet Genuss und ein Stück Lebensfreude.
Fett darf wieder einen natürlichen Platz auf unserem Speiseplan einnehmen.
Mehr über Fett und Öle im Webinar «Fette und Öle für die Gesundheit» und einem Tag mit «Öldegustation».














