Sommer, Sonne und die Kraft der Pflanzen
by Noemi Koch-Cadosi
Drogistin, Ernährungsfachfrau

Der Sommer ist da! Während die einen die warmen Temperaturen geniessen, sehnen sich andere nach etwas Abkühlung. Doch eines bringt diese Jahreszeit ganz bestimmt mit sich: eine beeindruckende Fülle an frischen Früchten, Beeren, Gemüse und Salaten.
Wer über einen Markt schlendert, wird von Farben, Düften und Geschmäckern regelrecht verzaubert.
Gerade im Sommer wird sichtbar, wie reich die Natur uns beschenkt. Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Aprikosen, Tomaten, Gurken und viele weitere Köstlichkeiten haben Saison. Obwohl wir heute das ganze Jahr über Lebensmittel aus aller Welt kaufen können, ist die Vielfalt regionaler und saisonaler Produkte etwas ganz Besonderes.
Genuss und Wohlbefinden gehören zusammen
Doch was hat diese sommerliche Fülle mit Gesundheit zu tun? Und weshalb ist dieses Thema auch für die Insel für Krebsbetroffene wichtig?
Viele Menschen wünschen sich während oder nach einer Krebsbehandlung Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Die Ernährung kann dabei eine unterstützende Rolle spielen. Sie ersetzt keine medizinische Therapie und gibt keine Garantie für Heilung. Sie bietet jedoch die Chance, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun und das Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.
Frische Lebensmittel schenken nicht nur wertvolle Nährstoffe. Sie können auch Freude bereiten, die Sinne anregen und das Gefühl vermitteln, aktiv für sich selbst zu sorgen. Allein die Vorfreude auf eine Schale frischer Beeren oder einen bunten Sommersalat kann bereits Genuss und Lebensqualität fördern.
Die faszinierende Welt der sekundären Pflanzenstoffe
Wenn von gesunder Ernährung die Rede ist, denken viele zuerst an Vitamine und Mineralstoffe. Diese sind zweifellos wichtig. Besonders spannend sind jedoch die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe.
Dabei handelt es sich um natürliche Substanzen, die von Pflanzen selbst gebildet werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennen heute weit über 100'000 verschiedene dieser Stoffe. Sie kommen ausschliesslich in pflanzlichen Lebensmitteln vor und erfüllen für die Pflanze unterschiedliche Aufgaben:
- Sie schützen vor Schädlingen und Krankheiten.
- Sie locken Insekten zur Bestäubung an.
- Sie verleihen Früchten und Gemüse ihre Farben.
- Sie sorgen für Duft- und Geschmacksstoffe.
Was für die Pflanze wichtig ist, kann auch für uns Menschen von Nutzen sein.
Warum die Farben auf dem Teller zählen
Die leuchtenden Farben von Beeren, Früchten und Gemüse sind mehr als nur schön anzusehen. Oft weisen sie auf unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe hin.
Rote und blaue Farbstoffe – Anthocyane
Beeren wie Heidelbeeren, Brombeeren, schwarze Johannisbeeren oder Kirschen enthalten Anthocyane. Anthocyane wirken antioxidativ. Das bedeutet, sie können freie Radikale abfangen und dadurch die Zellen vor oxidativem Stress schützen.
Gelbe und orange Farbstoffe – Carotinoide
Karotten, Aprikosen, Kürbis oder Peperoni enthalten Carotinoide. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Beta-Carotin, Lutein und Lycopin. Carotinoide unterstützen verschiedene Körperfunktionen und tragen ebenfalls zum Schutz der Zellen bei.
Grüne Kraftpakete – Chlorophyll und mehr
Grünes Gemüse wie Spinat, Broccoli, Federkohl oder Salate liefert neben Vitaminen auch zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders Kreuzblütler wie Broccoli, Rosenkohl oder Kohl enthalten sogenannte Glucosinolate, die in der Krebsforschung seit vielen Jahren untersucht werden.
Aromatische Helfer – Kräuter und Gewürze
Auch Kräuter und Gewürze sind reich an wertvollen Pflanzenstoffen. Petersilie, Basilikum, Thymian, Rosmarin oder Oregano enthalten zahlreiche Polyphenole. Gewürze wie Kurkuma, Ingwer, Zimt oder Nelken bereichern nicht nur den Geschmack, sondern liefern ebenfalls sekundäre Pflanzenstoffe.
Die kleinen Kraftpakete des Sommers
Besonders Beeren gehören zu den Stars der Sommerzeit. Schon die ersten Schweizer Erdbeeren wecken Vorfreude. Ihre leuchtend rote Farbe, ihr Duft und ihr Geschmack machen sie zu einem besonderen Genuss. Ob Erdbeeren mit etwas Rahm, ein frischer Beerensalat, ein Müesli mit Heidelbeeren oder Himbeeren im Dessert.
Ideal ist es, Beeren möglichst frisch zu geniessen. Direkt vom Strauch ist natürlich ein besonderer Genuss. Doch auch Beeren vom Markt, aus regionalem Anbau oder tiefgekühlte Beeren können einen wertvollen Beitrag leisten. Entscheidend ist nicht die Perfektion, sondern dass sie regelmässig auf dem Speiseplan stehen.
Vielfalt statt Perfektion
Jede Beerenart enthält etwas andere Inhaltsstoffe. Deshalb lohnt es sich, immer wieder abzuwechseln. Dasselbe gilt für Früchte und Gemüse allgemein. Nicht jede Person verträgt jedes Lebensmittel gleich gut. Während manche Menschen einen rohen Apfel gut vertragen, ist für andere Apfelmus bekömmlicher. Manche vertragen rohe Salate gut, andere bevorzugen gekochtes Gemüse. Gerade für Krebsbetroffene ist es wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse des Körpers zu hören. Gut verträgliche Lebensmittel, die Freude bereiten, dürfen ihren festen Platz im Alltag haben.
Die Kraft der Pflanzen jeden Tag nutzen
Die Natur stellt uns eine beeindruckende Vielfalt zur Verfügung. Ob als Salat, gekochtes Gemüse, Beilage, Früchte, Beeren, Kräuter oder Gewürze: pflanzliche Lebensmittel bereichern unseren Speiseplan jeden Tag aufs Neue.
Vielleicht gelingt es Dir in diesem Sommer, häufiger zu saisonalen und regionalen Produkten zu greifen, neue Beerenarten auszuprobieren oder Deinen Teller etwas bunter zu gestalten. Oft sind es die kleinen Schritte, die langfristig einen Unterschied machen.
In diesem Sinne wünsche ich Dir viele genussvolle Momente mit den Schätzen des Sommers. Lasse es dir gut gehen und geniesse die bunte Vielfalt der Natur.
Herzlichst
Noemi Koch-Cadosi
Drogistin, Ernährungsfachfrau












