Neujahrsvorsätze mal anders
Das neue Kalenderjahr beginnt im Frühling, wenn die Tage noch kurz, dunkel und eher kalt sind.
by Kat Birkholz
Transformations Coach
Es ist eine Jahreszeit, der man gut noch etwas Innenschau widmen kann. Aus dem gemütlichen Inneren des Winterschlafes heraus lässt sich Bilanz ziehen und vielleicht auch schon vorausplanen, was man alles anpacken möchte, wenn es draussen wieder freundlicher wird.

So ein Neustarteffekt kann bekanntlich Grosses bewirken.
Wir kennen das, wenn unsere Augen funkeln, weil wir mit einem neuen Superbike Ausfahrten machen oder mit einem neuen Superstift in ein neues Tagebuch schreiben, das so wunderbar in der Hand liegt.
Tief in uns liegt aber auch ein Erinnerungsschatz an all die Vorhaben, die trotz Elan früher oder später versandet sind.
Das liegt meiner Meinung nach an 4 Dingen:
1. Ein Fokus, der uns nicht wirklich trägt
2. Zu hohe Ambitionen
3. Eine ungünstige Ausgangslage
4. Ein Zeitpunkt, der nicht ideal gewählt ist?
1. Ein Fokus, der uns nicht wirklich trägt
Oft setzen wir uns Ziele, die unsere Willenskraft stark herausfordern und meistens wissen wir das von Anfang an. Die Kommentare der Kollegen könnten dann etwa lauten: «Mal sehen, wie lange das geht».
Selten fragen wir uns zuerst, welche tiefere innere, gute Absicht hinter den Dingen steckt, die wir immer wieder tun, obwohl sie uns nicht guttun. Oder weshalb wir andere Dinge verweigern, obwohl wir genau wissen, dass sie uns guttäten.
Möchten wir nachhaltige Veränderung in unser Leben bringen, ist es entscheidend, dass wir verstehen: Unsere Strahlkraft, unser Fühlen, Denken und Handeln werden wesentlich vom Bedürfnis nach Sicherheit und Verbundenheit geprägt. Wenn wir das Verinnerlichen, entstehen oft ganz neue Veränderungswünsche und manches alte Ziel wird plötzlich zu einer positiven Nebenwirkung auf diesem Weg.
2. Zu hohe Ambitionen
Häufig beobachte ich eine «Alles-oder-Nichts»-Erwartung. Das ist der Moment, in dem der Perfektionismus zum Feind von «gut genug» wird. Die Hürde, überhaupt anzufangen, ist hoch und der Frust über ausbleibende schnelle Erfolge macht sich rasch breit. Dabei wird die Kraft einer neuen Gewohnheit, die in bescheidenem Umfang täglich aufgebaut wird und die Zielerreichung unterstützt, oft erheblich unterschätzt.
Wenn Motivation und Disziplin von schnell spürbaren Erfolgen abhängen, wird das Handtuch manchmal schneller in die Ecke geworfen, als es überhaupt richtig in die Hand genommen wurde. Beginnen wir hingegen allmählich mit kleinen neuen Gewohnheiten, die wir mit automatisch ablaufenden Tätigkeiten verknüpfen können, wächst Schritt für Schritt eine neue Kompetenz. Anfangs fast unbemerkt, als würden wir stagnieren, und plötzlich ist er da: der Nutzen, der sich in verschiedensten Lebensbereichen bemerkbar macht.
Möchten wir nachhaltige Veränderung in unser Leben bringen, sollten wir kleine Dinge anders tun, die wir mühelos an unsere täglichen Routinen andocken können.
3. Eine ungünstige Ausgangslage
Unser autonomes Nervensystem (der Teil unseres Nervensystems, der unbewusst lebenswichtige Funktionen steuert), das darauf programmiert ist, unser Leben zu schützen, reagiert auf Jahreswechsel und Neujahrsvorsätze vermutlich eher zurückhaltend.
Es kennt aus vielen Erfahrungen, dass grosse Veränderungen oft angekündigt werden, aber nicht immer von Dauer sind. Vielleicht stellt es deshalb gar nicht die ganze Kraft unserer motivierten Emotionen zur Verfügung, die wir für unsere Vorhaben gerne nutzen würden.
Möchten wir nachhaltige Veränderung in unser Leben bringen, ist es deshalb entscheidend, vergangene Enttäuschungen und Frustrationen loszulassen. Und uns ebenso daran zu erinnern, dass wir schon oft Probleme gelöst und Ziele erreicht haben.
4. Ein Zeitpunkt, der nicht ideal gewählt ist?
Zugegeben: Veränderungen sind nicht einfach umzusetzen, weil sie selten nur einen selbst betreffen, sondern auch Auswirkungen auf das Umfeld haben. Auch das Umfeld ist geprägt von einem autonomen Nervensystem, das Sicherheit, Verbundenheit, Stabilität und Kontinuität (Beständigkeit) schätzt. So können Spannungen oder Konflikte entstehen, die nicht immer unmittelbar unterstützend wirken.
Sich nicht von den Launen der Umwelt abhängig zu machen ist noch einmal ein ganz eigenes Themenfeld. Worauf ich an dieser Stelle aber hinaus möchte, ist: Es könnte sich lohnen, die enorme Kraft zu nutzen, die der Frühling allen Lebewesen schenkt, als Momentum für den Start und die tägliche Gestaltung von Veränderungsprozessen.
Wenn es uns gelingt, Vorsätze nicht nur zu formulieren, sondern sie auch Schritt für Schritt umzusetzen, entsteht etwas sehr Wertvolles:
Vertrauen in uns selbst.
Alte Glaubenssätze, die uns lange begrenzt haben, dürfen sich lösen und machen Platz für neue innere Überzeugungen, die uns stärken und tragen.
Veränderung wird nicht mehr als Kampf erlebt,
sondern als natürlicher Entwicklungsprozess.
Der Psychologe Albert Bandura hat diesen Effekt als Selbstwirksamkeit beschrieben. Die Erfahrung, dass wir Einfluss auf unser eigenes Leben nehmen können. Genau hier setzt auch die Neuroimagination® an, mit der ich arbeite.
Durch die gezielte Verbindung von inneren Bildern, Körperwahrnehmung und Emotionen entstehen neue neuronale Verknüpfungen. So wird Veränderung nicht nur gedacht, sondern erlebt und damit nachhaltig im Alltag verankert.
Mit dem Webinar «Vorsätze mal anders» möchte ich einen Raum schaffen, in dem Veränderung leichter, freundlicher und nachhaltiger werden darf.
Herzlichst
Kat
Literatur:
Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control. New York: Freeman.













