Wenn Zuhören Teil der Begleitung wird

by  Michelle Kelterborn

Naturheilpraktikerin mit ODA Zertifikat Homöopathie SHS

Kinder und Homöopathie

Kinder spüren oft lange bevor etwas ausgesprochen wird, dass sich etwas verändert hat.

Sie reagieren sehr sensibel auf die Stimmungen in ihrem Umfeld, besonders auf die ihrer Eltern.

Wenn Dinge nicht mehr ihren gewohnten Gang gehen, ist das für ein Kind meist das erste Zeichen: Hier stimmt etwas nicht.


Gerade bei einer Krebserkrankung ist eine ehrliche Kommunikation mit Kindern besonders wichtig, unabhängig davon, ob ein Elternteil, die Grosseltern oder das Kind selbst betroffen sind. Ein Kind in Unsicherheit zu lassen, kann sich belastend auf sein Erleben auswirken und das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung schwächen.


Die sensible Wahrnehmung von Kindern

Kinder nehmen Stimmungen sehr fein wahr. Sie achten auf Tonfall, Gesichtsausdruck, Körpersprache, aber auch auf das, was nicht gesagt wird. Schon kleine Veränderungen, wie kürzere Antworten, weniger Lächeln oder eine angespannte Stimme reichen aus, damit ein Kind merkt: Etwas ist anders.


Auch wenn Eltern versuchen, ruhig zu wirken, überträgt sich ihre innere Anspannung oft dennoch auf das Kind. Es spürt die Unsicherheit, ohne sie einordnen zu können. Aus dem Wunsch heraus, das Kind zu schützen, entsteht so manchmal genau das Gegenteil: Verunsicherung.


Kinder beginnen, sich eigene Erklärungen zu suchen. Sie fragen sich vielleicht: „Habe ich etwas falsch gemacht?“ oder „Warum sagt mir niemand etwas?“ 

Nicht selten sind diese eigenen Vorstellungen belastender als die Realität.

Das Ungewisse ist für Kinder oft beängstigender als die Wahrheit.


Kleine Strategien für mehr Sicherheit

Viele Kinder bringen grundsätzlich gute Voraussetzungen mit, um auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Sie entwickeln ihre eigenen Wege, jedes auf seine Art.


Dabei hilft es ihnen, wenn sie Unterstützung bekommen, ihre Gefühle einzuordnen. Kinder fühlen oft sehr intensiv, können diese Gefühle aber nicht immer benennen. Wenn Gefühle zum Beispiel gemalt oder auf einer Skala beschrieben werden, werden sie greifbarer und verlieren etwas von ihrer Übermacht.


Auch einfache körperliche Strategien können helfen; etwa bewusstes Atmen, Ruhephasen oder kleine Rituale. Sie unterstützen dabei, innere Unruhe zu regulieren und wieder etwas Sicherheit zu spüren.


Besonders wichtig ist eine offene, wiederkehrende Kommunikation. Es geht weniger um ein einzelnes grosses Gespräch, sondern vielmehr um viele kleine Momente im Alltag.


Solche „Gesprächsinseln“ können beim Spazieren entstehen, beim Spielen, beim gemeinsamen Essen oder vor dem Einschlafen. Fragen wie „Denkst du manchmal noch daran?“ oder „Gibt es etwas, das dich gerade beschäftigt?“ öffnen Räume, ohne Druck zu machen. Kinder sprechen oft indirekt, nicht unbedingt auf direkte Nachfrage.


Die Kraft der Vorstellung

Kinder verstehen die Welt weniger über Fakten als über Bilder. Deshalb kann es hilfreich sein, Dinge in einfachen, bildhaften Worten zu erklären. Krebszellen sind dann nicht „mutierte Zellen“, sondern Zellen, die sich nicht mehr an Regeln halten. Auch Bücher oder gemeinsam erfundene Geschichten können helfen, das Unfassbare verständlicher zu machen.


Am Ende braucht es keine perfekte Methode. Viel wichtiger ist es, da zu sein, zuzuhören und Gefühle mit zu halten. Kinder brauchen Menschen, die sie durch schwierige Zeiten begleiten.


Homöopathie und Raum für Ausdruck

In diesem Zusammenhang kann auch die homöopathische Anamnese eine Rolle spielen. Sie bietet oft einen geschützten Rahmen, in dem sich Kinder ausdrücken können. Durch offene Fragen, Zeit und aufmerksames Zuhören entsteht ein Raum, in dem auch das Platz hat, was sonst vielleicht unausgesprochen bleibt. Gerade in belastenden Situationen kann das ungute Gefühle leichter werden lassen.


Dabei liegt der eigentliche Wert nicht nur in der Methode selbst, sondern auch in der Qualität der Zuwendung: Ein Kind, das erlebt, dass ihm wirklich zugehört wird, beginnt, seine eigenen inneren Zustände besser zu verstehen und einzuordnen. Diese Erfahrung kann ein erster Schritt sein, um mit Unsicherheit und Angst nicht allein zu bleiben.


In der Praxis hat es sich dabei oft bewährt, einen spielerischen Zugang zu wählen. Kinder öffnen sich selten in einem „Frage-Antwort-Setting“, in dem die volle Aufmerksamkeit direkt auf ihnen liegt, das kann schnell Druck oder Unsicherheit auslösen. Deutlich leichter fällt es ihnen, wenn Gespräche beiläufig entstehen: beim gemeinsamen Zeichnen, während eines Spiels oder in einer entspannten Alltagssituation. Der Fokus liegt dann nicht ausschliesslich auf dem Sprechen, sondern auf einer gemeinsamen Tätigkeit. Genau diese indirekte Form schafft oft den Raum, in dem Kinder sich sicher genug fühlen, Gedanken und Gefühle von sich aus zu teilen.



Herzlichst 


Michelle Kelterborn 

Naturheilpraktikerin Fachrichtung Homöopathie 

Fachfrau Gesundheit EFZ, Spitex


Praxis Trachsel, Rapperswil 

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