Säure-Basen-Balance
by Noemi Koch-Cadosi
Drogistin, Ernährungsfachfrau

Warum unsere Ernährung mehr Einfluss hat, als viele denken.
Viele Menschen fühlen sich müde, energielos oder leiden unter Verdauungsproblemen und fragen sich, ob eine «Übersäuerung» dahinterstecken könnte. Der Begriff wird häufig verwendet, gleichzeitig herrscht aber oft Unsicherheit darüber, was damit überhaupt gemeint ist. Fakt ist: Unser Körper arbeitet rund um die Uhr daran, das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen stabil zu halten. Die Ernährung spielt dabei eine wichtigere Rolle, als lange angenommen wurde.
Der Körper braucht Balance
Im menschlichen Organismus laufen sämtliche Stoffwechselprozesse in einem genau regulierten Milieu ab. Besonders wichtig ist dabei der pH-Wert des Blutes. Dieser wird durch verschiedene Puffersysteme konstant gehalten.
Der Körper produziert täglich Säuren. Das ist völlig normal und entsteht beispielsweise bei der Verdauung, der Energiegewinnung oder beim Abbau von Eiweissen. Gleichzeitig verfügt der Organismus über leistungsfähige Systeme, um diese Säuren auszugleichen und auszuscheiden. Zu den wichtigsten Ausscheidungsorganen gehören die Lunge, die Nieren und die Haut.
Problematisch kann es werden, wenn über längere Zeit mehr Säuren entstehen, als der Körper effizient ausgleichen kann. In der Ernährungsberatung spricht man dabei häufig von einer chronischen Belastung des Säure-Basen-Haushalts. Der Blut-pH-Wert bleibt dabei meist noch im Normalbereich, die Regulationssysteme werden jedoch stärker beansprucht.
Unsere moderne Ernährung ist oft Säure lastig
Die heutige Ernährungsweise unterscheidet sich stark von jener früherer Generationen. Viele Menschen essen wenig Gemüse und Früchte, dafür mehr Fleisch, Käse, Fertigprodukte, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel. Genau diese Zusammensetzung beeinflusst die sogenannte Säurelast der Ernährung.
Vor allem eiweissreiche tierische Lebensmittel gelten als stärker säurebildend. Beim Abbau bestimmter schwefelhaltiger Aminosäuren entstehen Säuren, die der Körper neutralisieren und ausscheiden muss. Auch phosphathaltige Lebensmittel und stark verarbeitete Produkte erhöhen die Säurebelastung.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Fleisch oder Getreide «schlecht» sind. Entscheidend ist das Verhältnis. Wer hauptsächlich säurebildende Lebensmittel konsumiert und gleichzeitig wenig basenreiche Nahrungsmittel isst, belastet den Stoffwechsel langfristig stärker.
Basisch essen bedeutet nicht Verzicht
Oft entsteht der Eindruck, eine basische Ernährung sei kompliziert oder mit vielen Verboten verbunden. In der Praxis geht es jedoch weniger um Extreme, sondern vielmehr um Ausgewogenheit.
Basenbildende Lebensmittel sind vor allem:
- Gemüse
- Salate
- Kräuter
- Früchte
- Kartoffeln
- mineralstoffreiche Lebensmittel
Diese liefern wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium oder Calcium, welche die Säure-Basen-Balance unterstützen können.
Besonders interessant: Sauer schmeckende Lebensmittel wirken nicht automatisch säurebildend. Zitronen beispielsweise schmecken zwar sauer, gelten im Stoffwechsel jedoch als basenbildend. Eine einfache Orientierung im Alltag lautet deshalb:
Je natürlicher und pflanzlicher eine Mahlzeit zusammengesetzt ist, desto günstiger wirkt sie meist auf die Säure-Basen-Balance.
Kleine Veränderungen mit grosser Wirkung
Viele Menschen versuchen, ihre Ernährung von heute auf morgen komplett umzustellen. Das führt oft zu Frust oder Verdauungsbeschwerden. Sinnvoller ist eine schrittweise Anpassung.
Bereits kleine Veränderungen können den Alltag deutlich verbessern:
- Mehr Gemüse in jede Mahlzeit integrieren
Gemüse liefert nicht nur Mineralstoffe, sondern auch Nahrungsfasern, welche die Darmgesundheit unterstützen. - Genügend trinken
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Ausscheidungsorgane und den Stoffwechsel. - Gut kauen und langsam essen
Die Verdauung beginnt bereits im Mund. Wer hastig isst, belastet Magen und Darm unnötig. - Schweres Essen am Abend reduzieren
Späte, üppige Mahlzeiten bleiben länger im Verdauungstrakt und können die Regeneration beeinträchtigen. - Bewegung in den Alltag einbauen
Regelmässige Bewegung verbessert die Sauerstoffversorgung und unterstützt die natürliche Regulation über die Atmung.
Auch Stress beeinflusst die Balance
Nicht nur die Ernährung wirkt sich auf den Stoffwechsel aus. Chronischer Stress verändert ebenfalls zahlreiche Prozesse im Körper. Chronischer Stress kann entzündliche Prozesse im Körper begünstigen und den Organismus zusätzlich belasten. Deshalb gehören auch Schlaf, Erholung und Entspannung zu einer langfristig gesunden Säure-Basen-Balance.
Fazit
Die Säure-Basen-Balance ist kein kurzfristiger Ernährungstrend, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Körpersysteme. Der Körper kann sehr viel selbst regulieren, vorausgesetzt, er erhält die nötige Unterstützung.
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Salaten und natürlichen Lebensmitteln kann dabei helfen, den Organismus langfristig zu entlasten. Es geht nicht darum, einzelne Lebensmittel zu verbieten oder perfekt zu essen. Entscheidend ist vielmehr die tägliche Balance: praktikabel, alltagstauglich und nachhaltig umsetzbar.
Herzlichst
Noemi Koch-Cadosi
Drogistin, Ernährungsfachfrau











