Heilpflanzenkunde in der Krebsbegleitung
Was Heilpflanzen für Wohlbefinden, Kraft und Lebensqualität leisten können
by Christian Raimann
Dipl. Naturheilpraktiker

Bedeutung der Heilpflanzen in der Begleitung von KrebspatientInnen
Vorausbemerkung: Die direkte Behandlung des Krebsgeschehens selbst erachte ich nicht als Kernkompetenz der Naturheilkunde, auch nicht der Heilpflanzenkunde. Auch wenn es diesbezüglich einige Ansätze gibt, z.B. die Misteltherapie, so sehe ich Prävention und symptomatische Begleitung von KrebspatientInnen während und nach der schulmedizinischen Therapie als den wichtigeren Behandlungsansatz in der Naturheilkunde.
Aber: Der wichtigste Unterschied bezüglich der schulmedizinischen und naturheilkundlichen Betrachtung der Krebserkrankung besteht meines Erachtens in der Deutung ihrer Entstehung: Die klassische Medizin deutet die Tumorbildung als Entartung von Körperzellen, deren «Entfernung» und eine gewisse Remission wird als Therapieerfolg gewertet.
Naturheilkundlich wird die Krebsentstehung als Folge von Entgleisungen vieler Regulationssysteme des Körpers angesehen,
wie z.B.:
- des Wärme-Haushalts
- des Säure-Basen-Haushalts
- der Regulation von Elektrolyten, Spurenelementen, Ausscheidung u.v.m.
Die Zellentartung ist Folge dieser Ungleichgewichte. Diese gilt es während und nach der Behandlung wieder zu harmonisieren. Entsprechend vielfältig gestalten sich zusätzliche Behandlungsansätze neben oben genannter symptomatischer Begleitung
Beschwerden während und nach Krebsbehandlungen
Diese können sehr unterschiedlich ausfallen. Häufig treten jedoch Müdigkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Trockenheit und Entzündungen der Schleimhäute sowie Neuropathien mit Missempfindungen (Taubheit, Kribbeln), ein geschwächte Immunabwehr u.v.m. auf.
Zwei Beispiele naturheilkundlicher Heilpflanzen
Taigawurzel, Eleutherococcus senticosus
Die Pflanze wird als Ginseng-Ersatz betrachtet. Ihre Wirkungsweise überschneidet sich entsprechend teilweise mit diesem. Als Tinktur oder Fertigarzneimittel eingenommen wirkt sie immunmodulierend, stärkend auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, antioxidativ (zellulären Stress vermindernd) u.v.m.
Im Versuch wurde eine krebszellhemmende Wirkung und eine Unterstützung der medizinischen Krebstherapie nachgewiesen(1). Die Pflanze wird als Adaptogen bezeichnet: Diese Gruppe von Heilpflanzen erhöht die körperliche und geistige Belastbarkeit, wirken allgemein stärkend, vermindert die Auswirkungen von Stress und lindern Übelkeit.
Im Zusammenhang mit Krebstherapien wird die Taigawurzel v.a. bei starker Müdigkeit, Erschöpfung, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Appetitlosigkeit und Infektanfälligkeit u.v.m. eingesetzt. Vorsicht ist geboten bei deutlich erhöhtem Bluthochdruck, ebenfalls bei der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit. Die Einnahme soll mit behandelnden ÄrztInnen abgesprochen werden.
Ein bekanntes Fertigprodukt mit sehr ähnlicher Wirkung ist Vitango(2), welches jedoch nicht aus Taigawurzel, sondern aus Rosenwurz hergestellt wird. Diese adaptogene Heilpflanze lässt sich auch in höheren Lagen der Schweizer Berge finden.
Die Anwendung erfolgt meist kurweise über ca. 4–8 Wochen, danach soll eine Pause von mind. 3–4 Wochen eingelegt werden.

Eibisch, Althaea officinalis
Die Wurzel dieser Heilpflanze enthält viel Schleimstoff, welcher sich als Schutzfilm über entzündete, trockene Schleimhäute der Atem- und Verdauungswege legt und diese regeneriert.
Meist wird der Eibisch als Teeauszug verwendet. Wichtig ist dabei, diesen als Kaltauszug herzustellen, damit die Schleimstoffe nicht chemisch verändert werden. D.h. die Wurzel wird z.B. über Nacht für 8 Stunden in kaltem Wasser ausgezogen, morgens abgeseiht und leicht erwärmt (nicht gekocht) in eine Thermosflasche abgefüllt. Der Tee wird über den Tag verteilt getrunken, optimalerweise nüchtern morgens und als letztes am Abend.
Er lindert die Trockenheit und Entzündung der Schleimhaut in Atemwegen und Verdauungstrakt, speziell nach Durchführung einer Chemotherapie.
Da dieser Auszug wegen der Schleimstoffe eine kühlende Wirkung auf die Verdauung hat, empfehle ich persönlich, zur Herstellung des vorher beschriebenen Kaltauszugs 50% Eibischwurzel und 50% Anisfrüchte zu mischen.

Foto Eibischblüte-/wurzel (C. Raimann)
Wichtig: Die Einnahme von stark schleimhaltigen Tees kann die Aufnahme relevanter, schul-medizinischer Arzneimittel verzögern und vermindern. Deshalb soll zwischen der Einnahme derartiger Arzneimittel und des Tees mind. 1-2 Stunden Pause liegen.
Ebenfalls kann bei hohem Schleimgehalt des Tees das Abhusten aus den Atemwegen leicht vermindert werden.
Bei Vorhandensein von Schleim müsste die Rezeptur entsprechend angepasst werden, z.B. durch Zugabe von Thymianblättern o.ä. und einer Verminderung der Menge an Eibischwurzel.
Autor
Heilpflanzen der Traditionellen europäischen Naturheilkunde, 2022, Bacopa Heilpflanzensignaturen, 2018, Karl Haug Verlag
Humoralmedizinische Praxis, 2016, Bacopa
Grundlagen der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN, 2012, Bacopa
1) Quelle: https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/08_institute/rechtsmedizin/pdf/Taigawurzel_-Wissenschaftliche_Broschüre.pdf (abgerufen am 14.1.2026).
2) Schwabe Pharma











